New Orleans trifft Haiti trifft die ganze Welt
Wenn man ein Album nach einer enttäuschenden SMS benennt, dann sollte es besser gut sein. Sabine McCallas „Don’t Call Me Baby“ ist nicht nur gut – es ist ein kleines Wunder an kultureller Verschmelzung. Die Sängerin und Songwriterin, die 2014 von ihrer Heimatstadt New York nach New Orleans zog, hat mit ihrem Debütalbum ein Statement abgeliefert, das Grenzen sprengt: brasilianischer Samba trifft auf Southern Soul, britischer Rock’n’Roll auf karibische Grooves, Doo-Wop auf haitianisches Erbe. Produziert von Sam Doores (The Deslondes) und mit über einem Dutzend New Orleans-Musiker*innen eingespielt, klingt das Album wie ein warmes, knisterndes Feuer an einem Winterabend.
Der Opener „Sunshine Kisses“ macht gleich klar, dass hier jemand am Werk ist, der Musik nicht in Schubladen denkt. Inspiriert von brasilianischer Musik und Adrienne Maree Browns „Pleasure Activism“, entstand der Song genau in dem Moment, als ein Mann ihr sagte, sie solle sich nicht so aufregen – woraufhin sie konterte: „Don’t call me baby.“ Die Samba-Rhythmen von Ajaï Combellic treffen auf psychedelische Gitarren, Mellotron-Flächen und Harmoniegesang, der an die großen Girl Groups der 60er erinnert. McCallas Stimme ist dabei sanft und einladend, aber mit genug Rückgrat, um niemanden zu unterschätzen.
„Louisiana Hound Dog“ rockt roh und direkt, „Deep River“ – gesungen im Duett mit ihrer Schwester Leyla McCalla – ist ein spirituelles Highlight, bei dem die beiden Stimmen wie Geschwister klingen sollten (was sie ja auch sind). „I Went to the Levee“, aufgenommen in Brooklyn mit Eli Paperboy Reed, verbindet zeitgenössische soziale Kämpfe mit der tiefen Verwurzelung in der schwarzen amerikanischen Musiktradition. Und „Tall Lonesome Cowboy“ mit Riley Downings Spoken Word-Einlage ist Country mit karibischem Twist – als hätte Patsy Cline ein paar Semester in Port-au-Prince studiert.
Ja, die Texte sind manchmal simpel, fast klischeehaft – ich denke aber, das ist gewollt. McCalla geht es nicht um poetische Kunstgriffe, sondern um Gefühle. Um Enttäuschung, die in Selbstliebe verwandelt wird. Um die Wut, die entsteht, wenn man sich klein machen lassen soll. Und genau so klingt „Don’t Call Me Baby“ auch: warm, einladend, aber mit klaren Grenzen. Ein Album, das gute Laune macht und gleichzeitig nicht vergessen lässt, dass Selbstliebe harte Arbeit sein kann.

