Sooo viel mehr als Led Zep
Zugegeben: Wer auf ein spätes Led-Zeppelin-Revival gehofft hat, ist hier komplett falsch. Aber mal ehrlich – hat das irgendjemand ernsthaft erwartet? Robert Plant, mittlerweile 77 Jahre alt, hat den einfachen Weg schon vor Jahrzehnten abgelehnt. Stattdessen durchwandert er seit seinen Abenteuern mit Alison Krauss die Americana- und Folk-Landschaften mit der Neugier eines Teenagers und der Weisheit eines Mannes, der nichts mehr beweisen muss. Auf seinem zwölften Soloalbum nun diese Album, sondern nach der Band, mit der er seit 2019 herumtourt. Eine Songsammlung, entstanden über sechs Jahre in den Cotswolds und an der walisischen Grenze, während Corona die Welt stilllegte und Plant sein geliebtes Umherziehen aufgeben musste. Das Ergebnis ist atemberaubend unspektakulär – und genau darin liegt die Magie. Keine donnernden Gitarrenriffs, keine Rampensau-Attitüde, stattdessen Zwischentöne und ungewöhnliche Instrumentierungen: Cello, Banjo, Akkordeon, akustische Gitarren. Plant teilt sich hier nicht nur die Bühne, sondern auch die Leads mit Sängerin Suzi Dian – und ihr gemeinsamer Harmoniegesang ist pure Gänsehaut. Der Opener „Chevrolet“ verwandelt einen mehrfach gecoverten Blues-Klassiker von Memphis Minnie in ein grooviges Scheunenlied mit manischer Banjo-Säge, während „It’s A Beautiful Day Today“ von Moby Grape zu einem zarten, sonnigen Muntermacher-Walzer wird. Blind Willie Johnsons „Soul Of A Man“ überlässt Plant größtenteils seinem Bandkollegen Matt Worley, bläst selbst nur ein wenig Mundharmonika und lässt den Song zum hypnotischen Lagerfeuer-Blues werden. Besonders Everybody’s Song“ von Low, das nach dem Tod von Schlagzeugerin Mimi Parker 2022 eine zusätzliche emotionale Tiefe bekommt – „All your dreams are waking up / You can’t live forever“ klingt hier wie eine sanfte Meditation über Vergänglichkeit. Plant hat hier keine Solo-Show abgeliefert, sondern ein eingeschworenes Kollektiv an Musik. Er wollte nicht, dass sein Name im Vordergrund steht, und genau diese Demut macht das Album so stark. Kein Glamour, keine pompöse Nostalgie – stattdessen Heimkehr. Ein Album, das bewusst kleiner denkt, aber dadurch größer wirkt. Wo andere Rocklegenden verzweifelt versuchen, die Größe ihrer goldenen Jahre zu wiederholen, hat Plant seine neue Bestimmung gefunden: in der Stille, in der Gemeinschaft, in der zeitlosen Kraft alter Songs, die durch neue Hände wandern. „Saving Grace“ klingt wie ein langer Abend auf dem Land – warm, ehrlich und tief beseelt.

