Das Gegenmittel gegen den Weltschmerz
Ehrlich gesagt dachte ich, Superchunk hätten nach 35 Jahren alles gesagt. Mac McCaughan und seine Truppe aus North Carolina beweisen mit „Songs in the Key of Yikes“ das Gegenteil – und wie! Ihr dreizehntes Studioalbum knallt wie ein Wake-up-Call in diese verunsicherten Zeiten. Das Paradox ist perfekt: düsterste Themen, verpackt in strahlende Power-Pop-Hooks. McCaughan klingt auf „No Hope“ geradezu verängstigt, wenn er die Titelworte wiederholt, während „Care Less“ mit seinem „I’m trying to care less“ das Herz zerreißt. Aber dann – Bam! – kommt der Opener „Is It Making You Feel Something?“ und verwandelt Existenzängste in eine mitreißende Hymne, die nach Mitsingen schreit. Nach Jon Wursters Abgang 2023 hätte das Band-Gefüge zerbrechen können. Stattdessen holen sie Tour-Drummerin Laura King fest ins Boot, und die Chemie stimmt sofort. „Bruised Lung“ stürmt mit zerfelderter Punk-Intensität voran, „Climb The Walls“ und „Cue“ zeigen Garagenrock in seiner reinsten Form – eng verwobene Gitarrenlinien, die King Raum für ihre frischen Beats geben. Das Geniale: Superchunk haben ihre Noise- und Emo-Elemente zugunsten direkter Konsumierbarkeit zurückgeschraubt. Die Songs bleiben dennoch komplex – der Opener überrascht mit verrückten Tonartenwechseln und McCaughans virtuosesten Gitarrensoli. „Everybody Dies“ bündelt die Panik in einem humanistischen Rant über Sterblichkeit, während „Some Green“ mit akustischen Gitarren und vielschichtigem Gesang das Album elegant beschließt. Unter 40 Minuten Laufzeit, knapp und prägnant. „Scream-your-heart-out-Chorusse“ mischen sich mit „hard-driven guitars“, entstehen lassen sie „einen leichten, aber ansteckenden Spirit“. McCaughan fragt: „Is it making you feel something?“ und die Antwort ist ein donnerndes Ja! Superchunk verwandeln Angst in scharfsinnige Hymnen – und das nach über drei Jahrzehnten immer noch mit jugendlicher Unbekümmertheit. Ein Album gegen die politische Trostlosigkeit? Nein, viel mehr: ein Gegenmittel gegen den Weltschmerz. Punkt.

