Schlafparalyse als Blues-Album
Nach neun Jahren treten Little Barrie wieder unter ihrem eigenen Namen an – und liefert eins ihrer besten Alben. „Gravity Freeze“ ist das sechste Studioalbum von Little Barrie und das erste, das seit dem Tod von Schlagzeuger Virgil Howe im September 2017 wieder rein unter dem Bandnamen erscheint. Und ja, dieser Verlust ist spürbar, aber er lastet nicht auf der Platte, sondern gibt ihr eine leise Tiefe. Neuer Mann am Schlagzeug ist Tony Coote, und der fügt sich, als wäre er schon immer da gewesen.
Musikalisch ist das genau die Mischung, die Little Barrie seit über zwei Jahrzehnten so besonders macht: psychedelischer Blues, warmer Soul, tighte, federleichte Grooves, dazu Barrie Cadogans unverwechselbare, leicht verhangene Stimme. Opener „More Bad Miles Of Road“ schlägt sofort den Ton an, „It Isn’t Soul“ taucht tiefer in verwaschene Psychedelia ab, und „December“ – die wehmütige Single mit Shuggie-Otis-Anklang – ist eines dieser Stücke, bei denen man den Song einfach nochmal von vorne hört. Der Titel „Gravity Freeze“ stammt übrigens von Cadogans eigener Beschreibung von Schlafparalyse: dieser Moment, in dem man wach, aber noch im Traum gefangen ist. Genau so fühlt sich dieses Album an – schwebend, aber mit enormem Drive drunter.
Diese Mischung aus Psychedelic, Blues und Soul ist es, die die Musik von Little Barrie so besonders macht – kein Wunder, dass sich die Band seit über 20 Jahren als eine der verlässlichsten Größen des britischen Psych-Blues hält. Unbedingt hörenswert.

