Vierzig Jahre. Kein bisschen leiser.
Vierzig Jahre als Band. Das klingt erstmal nach Jubiläumskonzert, Champagner und einer Best-of-Compilation für die Plattensammlung. Nicht bei den Klezmatics. Die New Yorker Formation um Trompeter Frank London und Sänger Lorin Sklamberg feiert ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Album, das in die Gegenwart zielt wie ein Brandsatz in ruhiger Hand.
Die Klezmatics haben seit ihrer Gründung 1986 im East Village nie Klezmer als Museumsstück verstanden. Ihr Sound hat immer Punk-Energie, Jazz-Improvisation und Gospel-Inbrunst in sich getragen — und das tut er auf „We Were Made For These Times“ mehr denn je. Dass das Album gleichzeitig ihr erstes seit fast einem Jahrzehnt ist, merkt man ihm nicht an. Es klingt, als wären sie nie weg gewesen. Oder besser: als hätten sie auf genau diesen Moment gewartet.
Die zwölf Tracks sind ein Programm. Woody Guthries „Plane Wreck at Los Gatos (Deportee)“ — ein Lied über abgeschobene mexikanische Landarbeiter — wird auf Jiddisch und Spanisch gesungen, mit der argentinischen Sängerin Sofía Rei: ein Stück, das 1948 geschrieben wurde und 2026 brennt wie am ersten Tag. „Un du akerst“, der Opener, wuchtet voran wie eine Gewerkschaftsdemo mit Blaskapelle. Der Titeltrack, inspiriert von Dr. Clarissa Pinkola Estés Brief an junge Aktivist*innen — „Do not lose heart, we were made for these times“ — ist Durchhalteparole und Seelentrost zugleich.
Was das Album so außergewöhnlich macht, ist die Breite der Solidarität, die es klanglich ausdrückt. Das kolumbianische Frauenquartett La Manga bringt karibische Perkussion, Gospel-Star Joshua Nelson verbindet Black Gospel mit jüdischer Liturgie, Jazzikonen William Parker und James Brandon Lewis tauchen auf. Produziert hat das alles Danny Blume, der schon das Grammy-prämierte „Wonder Wheel“ der Band verantwortet hat. Es klingt rund, warm, lebendig — und notwendig.

