Wien ist kein Paradies, aber es gibt auch keins ohne
Dem Voodoo sein Zuhause ist die Bühne, das weiß jeder, der ihn schon mal live erlebt hat. Auf Tonträger hatte man manchmal das Gefühl: Die Perlen sind geschrieben, also können sie auch auf Platte — Hauptsache, bald wieder auf Tour. Mit „Gschnas“, dem vierten Album von David Öllerer alias Voodoo Jürgens und seiner Ansa Panier, ist das anders. Hier klingt alles so, als wäre genau dieses Album der Grund gewesen, überhaupt ins Studio zu gehen.
Drei Jahre hat er sich Zeit gelassen nach dem dunklen „Wie die Nocht noch jung wor“, und man merkt: Er hat nachgedacht. Über sich, über seine Epigonen, über Wien und die Welt und den Zweifel, der sich hinsetzt, breit macht, alle vier Ecken besetzt. Das Beisl ist nicht mehr der einzige Kosmos — jetzt geht’s um die weite Welt da draußen und die kleine da drinnen. Manches erinnert fast an Tom Waits in Wien. Und Wien ist hier kein Paradies. Klar, besser als der Rest der Welt und immer noch bevölkert von sehr sympathischen und sehr merkwürdigen Gestalten.
„Taxitänzer“ trägt noch den vertrauten Bier-und Zigarettendunst früherer Alben, während „De An und de Aundan“ mit Balkan-Rhythmen und vertrackten Beats ganz woanders hinstrebt. „Langsam wirst ma fremd“ — über das stille Ende einer Freundschaft — hat etwas von frühem Dylan, nur auf Wienerisch und deshalb noch ein bisschen trauriger. Die Bläserarrangements der Ansa Panier sind schlicht fantastisch, Produzent Wolfgang Lehmann (alias Möstl) hält alles zusammen, ohne es zu glätten. Am Ende legt „Ka Ruah“ noch eine schlaflosen Nacht drauf, und dann ist Schluss. Ein Album aus Zweifel geboren, für das es am Ende Faschingskrapfen regnet.

