Klezmer als Gemeinschaftssprache
Fast drei Jahrzehnte auf der Uhr, und die Amsterdam Klezmer Band klingt so lebendig wie ein Straßenkonzert im Regen. Mit „Diaspora“ kehren die Niederländer zu ihren akustischen Anfängen zurück – keine Overdubs, keine Elektronik, keine Tricks. Stattdessen: eine einzige Aufnahme-Session am 26. November 2025 in der Singelkerk Amsterdam, sieben Musiker, ein Raum, volle Energie. Das Ergebnis ist warm, unmittelbar, herrlich unretuschiert.
Das ist unwiderstehliche Partymusik. Rumänische Sirbas treffen türkische Rhythmen, Motown-Grooves schmiegen sich an melancholische Klezmer-Balladen, und mittendrin ein „Badchen Rap“, der die uralte Tradition des jüdischen Hochzeitsspaßmachers in die Gegenwart holt. Das Cover mit der Rakete sagt schon alles: Klezmer als Weltraumfahrt. Geerdet und dennoch irgendwie schwerelos.
Einen besonderen Schatten wirft das Album allerdings: Es ist die letzte Aufnahme mit Trompeter und Mitgründer Gijs Levelt, dessen Stimme die Band seit fast 28 Jahren prägte. Wer genau hinhört, meint das zu spüren – in den düsteren, melancholischen Tanzstücken genauso wie in den ausgelassenen, treibenden Momenten. „Diaspora“ ist damit gleichzeitig Geburtstagsfeier und Abschiedsumarmung.
Schlagzeuger Mischa Porte übernimmt auf diesem Album eine neu herausragende Rolle, und das tut dem traditionell schlagzeuglosen Klezmer überraschend gut: Er schiebt, treibt und hält zusammen, ohne je zu dominieren. Die Band klingt wie eine Gemeinschaft, die weiß, was sie kann.
Zum Titel: Ein Album namens „Diaspora“, das Verbindungen über alle Grenzen hinweg feiert, das Klezmer als lebendige, atmende Gemeinschaftssprache versteht – das ist kein nostalgischer Rückblick. Das ist ein Statement.

