Kanadierin mit großen Gefühlen und noch größerem Herz
Es gibt Alben, die klingen, als würden sie direkt zu dir sprechen – als hätte jemand genau die richtigen Worte für Dinge gefunden, die du selbst nie in Sätze hättest fassen können. Charlotte Cornfields sechstes Album „Hurts Like Hell“ ist so eines. Die kanadische Singer-Songwriterin hat es aufgenommen, nachdem sie 2023 Mutter wurde – und man hört diesen Wendepunkt in jeder Note. Nicht als großes, dramatisches Statement, sondern als leise Verschiebung: weniger nach innen, mehr nach außen. Mehr Raum für andere Menschen, ihre Geschichten, ihre Widersprüche.
Dabei bleibt „Hurts Like Hell“ immer das, was man sich von einem guten Independent-Songwriter-Album wünscht: unperfekt auf die beste Art. Cornfield und ihre Band – darunter El Kempner von Palehound, Bassistin Bridget Kearney von Lake Street Dive und Adam Brisbin an der Pedal Steel – haben live im Raum aufgenommen, ohne Kopfhörer, minimal overdubbt, den Momenten einfach ihren Lauf gelassen. Man hört, wie die Teile aufeinander hören. Wie Harmonien fast, aber nie ganz landen. Wie Buck Meek oder Feist als Gastsänger*innen einfach dazukommen und sich einfügen, als wären sie schon immer dabei gewesen.
Der Titeltrack „Hurts Like Hell“ ist eine Liebesgeschichte für schüchterne Menschen – zögerlich, fast tapsig, und gerade deswegen so bewegend. Und dann ist da „Long Game“, mit einem Textauszug, der direkt ins Mark trifft: „more doing, less trying. more truth, less lying. more breathing, less sighing. more fun, less crying. more living, less dying.“ Das sitzt. „Kitchen“ ist vielleicht der zärtlichste Moment des Albums, das Schlusslicht „Bloody and Alive“ das mutigste – mitten im Kreißsaal, mitten im Leben. Wenn ein Song von Charlotte Cornfield irgendwann in einem Independent-Film auftaucht – und das würde passen wie Arsch auf Eimer –, dann wird sie in bestimmten Kreisen ein Star. Auf meinem Plattenteller ist sie es schon.

