Wenn Lou Reed Country-Musik machen würde – und dann noch nach St. Louis zöge
Zwanzig Jahre New York, zwanzig Jahre Anti-Folk-Szene, Sidewalk Café, Lower East Side, Adam Green, Jeffrey Lewis – das ist die Welt, aus der Turner Cody kommt. Eine Welt, in der man eher an Velvet Underground denkt als an Hank Williams. Dann der Umzug: Cody packt mit Familie die Koffer und landet in St. Louis, Missouri, am Ufer des Mississippi. Und mit diesem Ortswechsel kommt ein musikalischer Wandel, der auf „Out For Blood“ nun in seiner vollsten Form zu hören ist.
Das ist ein Country-Album. Keine Ausflüchte, kein Americana. Kris Kristofferson, Townes Van Zandt, John Prine – das sind die Koordinaten, in denen sich Cody hier bewegt, und er bewegt sich darin mit einer Selbstverständlichkeit, die man sich erst verdienen muss. Seine Texte sind literarisch, lakonisch, manchmal mit bitterem Witz gespickt. Die Zeilen aus dem Opener „We Need Each Other“: „I need her to get to heaven, she needs me to get to work“ – fasst das in einem Atemzug zusammen: trocken, klug, direkt aufs Leben zielend.
Dabei wäre das alles nichts ohne die Soldiers of Love. Nicolas Michaux und seine Band – mit Hintergründen von Jazz über Fusion bis zu kongolesischen Rhythmen – sind weit mehr als eine Begleitband. Sie formen den Sound, geben den Songs Textur und Raum. „Cigarettes Inside“ ist eine mürbe Folkballade mit Townes-Van-Zandt-Geist. Der Titeltrack hat einen lässig-funky Blues-Gitarren-Unterbau. „My Song on the Radio“ trägt eine trockene Country-Komödiantik, die an Kinky Friedman erinnert. Und „Evening Prayer“ schließt das Album mit dem schönsten Satz ab, den man über Country-Musik sagen kann: „History is written by the winners, country songs are written by the sinners.“
Ich schreibe das als jemand, der bei diesem Album sofort an Lou Reed gedacht hat – nicht an den Lou Reed, der über New York grübelt sondern Geschichten über echte Menschen zu erzählt. Genau das tut Turner Cody hier.

