Kula Shaker brennen heller denn je – und schütteln ein psychedelisches Meisterwerk aus dem Ärmel
Drei Alben in vier Jahren – nach jahrelangen Pausen zwischen ihren Platten haben Kula Shaker offensichtlich einen Lauf. Und „Wormslayer“, ihr achtes Studiowerk, ist das überzeugendste Argument dafür, dass Crispian Mills und seine drei Mitstreiter – immer noch in der Originalbesetzung von 1995 – gerade die beste Phase ihrer Karriere erleben. Was hier in elf Songs und 46 Minuten passiert, ist ein wilder, liebevoller, komplett furchtloser Ritt durch Sixties-Psychedelia, üppigen Soul, Retro-Funk und kosmisches Geschichtenerzählen. Es beginnt mit „Lucky Number“, einem psychedelischen Raumgleiter, der unvermittelt in Glam-Rock-Riffs kippt, und endet mit „The Dust Beneath Our Feet“, einem cinematischen Closer, der allein als Filmmusik taugen würde. Dazwischen: „Good Money“ groovt wie ein verschollener 70er-Club-Banger mit Girl-Group-Backing-Vocals, „Little Darling“ beschwört mit wiegendem Sechsachteltakt und Tremologitarren die Geister der Doors herauf, und „Shaunie“ wechselt mühelos zwischen zartem Folk und bombastischem Rock, der Pete Townshend aufhorchen lassen würde. Das Herzstück ist der siebeneinhalb Minuten lange Titelsong: ein Raga-Mantra, das sich langsam aufbaut und in einem gewaltigen Ausbruch aus Hammondorgel und niedergetretenen Fuzz-Pedalen explodiert. Man muss ehrlich sein: „Wormslayer“ ist ein Grower, kein Album für den schnellen Kick. Wer sich aber die Zeit nimmt, wird reichlich belohnt – denn unter der vertrauten psychedelischen Oberfläche öffnen sich mit jedem Hören neue Schichten und immer wieder ein neuer Grund zum Lächeln. Kula Shaker haben nie besonders gut in ihre Zeit gepasst, und genau das macht sie so zeitlos. Dieses Album ist der beste Beweis.

