Spontanität als Konzept: Nils Wülker spielt sich frei
Nach Jahren durchkomponierten Arbeitens – mit Orchestern, im Duo, mit Synthesizern – hat Nils Wülker sich für „Zuversicht“ in ein Studio gesetzt mit drei Leuten, die er vorher kaum kannte: Aaron Parks am Klavier, Linda May Han Oh am Kontrabass, Greg Hutchinson am Schlagzeug. Dreieinhalb Tage Zeit. Elf eigene Kompositionen. Und das Ergebnis? Ein Album, das so lebendig klingt, als würde die Band seit Jahren zusammenspielen.
Das ist vielleicht das Schönste an „Zuversicht“: Diese Musik atmet. Sie drängt nicht, sie posiert nicht, sie ist einfach da – mit einer Selbstverständlichkeit, die einen sofort einfängt. Wülkers Trompete klingt warm und klar, nie forciert, immer melodisch. Parks, Han Oh und Hutchinson – allesamt Jazz-Schwergewichte – geben ihm nicht nur Raum, sie füllen ihn mit genau der richtigen Mischung aus Zurückhaltung und Energie. „All Hands On Deck“ eröffnet dynamisch und direkt, „Second Nature“ besticht durch das unisono gespielte Zusammenspiel von Trompete und Bass, das sich elegant aufteilt und am Ende wieder zusammenfindet. Balladen wie „Time Will Tell“ oder „Alpenglow“ zeigen, wie gut Wülker die Balance zwischen Emotion und Eleganz beherrscht.
Was hier entstand, ist kein Konzeptalbum, keine durchorchestrierte Kopfgeburt. Es ist Musik, die beim Spielen zum Leben erweckt wurde – spontan, intuitiv, aber niemals beliebig. Die Tracks mögen manchmal an der Oberfläche „easy“ wirken, doch unter dieser scheinbaren Leichtigkeit liegt jede Menge Können und Erfahrung. Wülker hat mit „Zuversicht“ nicht nur einen klanglichen Kreis geschlossen, sondern auch einen neuen Horizont eröffnet. Und das Beste: Man hört die Zuversicht in jedem Ton.
PS: Am 21.4.2026 ist Nils Wülker mit diesem Programm im Erlanger Redoutensaal zu Gast.

