Die Geburt eines bitteren Meisterwerks
45 Jahre nach seiner Veröffentlichung im Januar 1981 hat „Trust“ nichts von seiner messerscharfen Intensität verloren. Elvis Costello war zu diesem Zeitpunkt bereits ein gefeierter Kritikerliebling, doch mit seinem fünften Studioalbum trat er in eine neue Phase: düsterer, erwachsener, desillusionierter. Nach dem kommerziellen Erfolg von „Armed Forces“ (1979) und dem experimentellen Ausflug „Get Happy!!“ (1980) mit seinen 20 Soul-inspirierten Songs kehrte Costello zu einem dichteren, konzentrierteren Songwriting zurück – allerdings mit einer Bitterkeit, die selbst seine früheren Werke in den Schatten stellte.
„Trust“ entstand in einer persönlich turbulenten Phase. Costellos Ehe mit Mary Burgoyne war am Zerbrechen, seine Beziehung zu Bebe Buell kompliziert, und ein berüchtigter rassistischer Vorfall in einer Bar in Columbus, Ohio 1979 hatte seinen Ruf beschädigt. All diese Spannungen flossen in ein Album, das von Misstrauen, Verrat und emotionaler Verwüstung durchzogen ist. Der Titel war Programm.
Produzent Nick Lowe, der bereits bei Costellos ersten Alben am Ruder stand, schuf gemeinsam mit den Attractions einen Sound, der zwischen sprödem New Wave, elegantem Pop und wütendem Pub Rock changiert. Die Arrangements sind dichter und orchestraler als auf „Get Happy!!“, ohne dabei die rohe Energie zu verlieren, die Costellos frühe Werke auszeichnete.
Die aggressiven Ausbrüche des Albums zeigen die Attractions auf ihrem rohen Höhepunkt: „Clubland“ eröffnet mit Bruce Thomas‘ markanten Basslauf und Steve Nieves theatralischer Orgel – eine beißende Abrechnung mit der Londoner Clubszene. „Lovers Walk“ zeichnet mit seinem Bo Diddley-artigen Groove und Nieves wummerndem Piano die Zerstörung einer Beziehung nach – ein Song, der sich anfühlt wie ein Autounfall in Zeitlupe. „From a Whisper to a Scream“, das dramatische Duett mit Glenn Tilbrook von Squeeze, nutzt die Dynamik zwischen Costellos kratzig-verzweifelter und Tilbrooks klarer Stimme, um eine Beziehung zu schildern, die zwischen Schweigen und Schreien erstickt. „Luxembourg“ ist Rockabilly-Redux aus den 50ern, eine bissige Attacke auf Tourismus als Angriff auf das moderne Leben.
Dazwischen aber changiert das Album zwischen ganz unterschiedlichen Stimmungen, was seine Stärke ausmacht. Da ist „Watch Your Step“ mit seinem eleganten Orgelmelodien, das eine Warnung an eine Geliebte in melodische Form gießt. „Shot With His Own Gun“ – inspiriert von einem Vorfall, bei dem Costello tatsächlich mit einer Waffe bedroht wurde – ist eine Tin-Pan-Alley-artige Klavierballade, die trotz ihres fast leichten Tons eine paranoide Geschichte erzählt.
Die leiseren, nachdenklicheren Momente zeigen Costello von einer verletzlicheren Seite: „Different Finger“ ist eine sanfte Country-Ballade über Untreue und Selbstbetrug. „Big Sister’s Clothes“ schließt das Album. Costello nahm den Song ohne die Attractions auf. Der Song enthält Melodica, Tamburin, Vibraphon und sogar ein paar Pauken, die zufällig im Studio standen. In einem leicht benommenen Zustand nahm Costello sogar das „weltweit erste rückwärts abgespielte Akkordeon“ auf – nur um festzustellen, dass es fast identisch mit dem Geräusch eines Akkordeons klang, das eine kleine Treppe hinuntergeworfen wurde.
Elvis Costello galt schon früh als einer der besten Texter seiner Generation, doch auf „Trust“ erreichte er eine neue Ebene an Schärfe und Komplexität. Seine Lyrics sind voller Wortspiele, literarischer Anspielungen und mehrdeutiger Bilder – und gleichzeitig von einer emotionalen Direktheit, die schmerzt.
Das rhythmische Rückgrat liefert Pete Thomas durchgehend mit präzisem, kraftvollem Schlagzeugspiel, während Bruce Thomas einige der besten Basslinien seiner Karriete abliefert. Steve Nieve aber ist der heimliche Star: Er wechselt mühelos zwischen eleganten Klavierläufen, und schrillen Orgeltönen – und gibt jedem Song seine eigene klangliche Identität.
Bei seiner Veröffentlichung stieß „Trust“ auf geteilte Reaktionen. Während Kritiker die musikalische Reife und die Tiefe der Songs lobten, fanden manche das Album zu düster und hermetisch. Es erreichte Platz 9 in Großbritannien und Platz 28 in den USA – solide, aber nicht spektakulär. Doch mit der Zeit wuchs der Respekt für „Trust“. Heute wird es oft als eines von Costellos besten Alben genannt, als der Moment, in dem er vom wütenden jungen Mann zum reifen Songwriter wurde.
Im Rückblick markiert „Trust“ einen Wendepunkt in Costellos Karriere. Nach diesem Album würde er noch experimenteller werden – mit Country, Soul-Orchestrierungen und späteren Ausflügen in Klassik und Jazz. Doch „Trust“ bleibt das Album, auf dem er am genauesten in die dunklen Ecken der menschlichen Psyche blickte.
Es ist ein Album über Verrat – in der Liebe, in der Politik, in der Selbstwahrnehmung. Und 45 Jahre später klingt es so relevant wie nie.

